Westerberg

Der Stadtteil Westerberg zählt zu den bevorzugten Wohnlagen in Osnabrück. Schon in früheren Zeiten ließen sich erfolgreiche Unternehmer und Industrielle hier repräsentative Stadtvillen bauen. Das Viertel war für sie in jeglicher Hinsicht ideal: stadtnah und dennoch in ruhiger Lage auf dem Westerberg über den Dächern der Stadt.

Westerberg: Bonzenviertel?

Kommentar: Stadtrat stimmt für "Nordspange" und gibt 5 Mio. € für den VfL Osnabrück

Auf der Sitzung des Stadtrates am Dienstag, dem 11. Februar 2020 hat der Stadtrat die beiden umstrittenen Vorhaben "Nordspange" und den Zuschuss für den VfL Osnabrück beschlossen.

Foto:Plakat für "Entlastungsstraße West", Am Natruper Holz, 2016

Plakat für "Entlastungsstraße West", Am Natruper Holz, 2016

Foto: Geplante Trasse für die "Entlastungsstraße"

Geplante Trasse für die "Entlastungsstraße"

Update

Trotz Protesten vieler Bürger und Anwohner des Wohn- und Wissenschaftsparks sollen nun 4 Millionen Euro für den Bau einer Verbindungstraße zwischen Sedanstraße und Natruper Straße ausgegeben werden. Das diese Baumaßnahme mit den Zielen der Stadt für Nachhaltigkeit nicht vereinbar ist, ist den Ratsmitliedern der Mehrheit nicht so wichtig, wie "die Aufwertung" des Wohn- und Wissenschaftsparks durch eine neue Straße. Die Anwohner selbst allerdings sehen das mit der Aufwertung anders, wie die Proteste am Sonntag vor dem Rathaus gezeigt haben. Auch die andere Begründung des Rates, durch die neue Straße eine Entlastung der Straße "Am Natruper Holz" zu erreichen, rechtfertigt meiner Meinung nach keine Invesition von 4 Mio. Euro. Erfahrungsgemäß dürfte eine neue Straße eher dazu führen, dass insgesamt wesentlich mehr Fahrzeuge durch den Stadteil Westerberg Richtung A30 Hellern fahren als vorher.

Auch die indirekte Bezuschussung des VfL Osnabrück mit 5 Mio. € wurde auf der gestrigen Sitzung beschlossen, ungeachtet der nach wie vor prekären Situation der Finanzen und der wettbewerbsrechtlichen Bedenken z.B, der EU. Die Begründung des Finanzausschusses für die VfL Osnabrück GmbH und Co. KGaA  neben dem reguären Haushalt 5 Millionen Euro aufzunehmen, ist, dass der VfL nur dauerhaft in der zweiten Bundesliga spielen könne, wenn die die Stadt in die vorhandene Infrastruktur investiere. An zweiter Stelle wird dann das Nachwuchsleistungszentrum genannt als "wichtiger Bestandteil der strategischen Ausrichtung des VfL Osnabrück".

"Da entsprechende Mittel nicht bereitstehen, müssen diese in jedem Fall noch zur Verfügung gestellt werden. Sofern Aufwendungen oder Auszahlungen direkt durch die Stadt Osnabrück (Kernhaushalt) zu tätigen sind, müssen diese außerplanmäßig bereitgestellt werden. Sollte dies nicht möglich sein, etwa da es an einer entsprechenden Deckung fehlt, ist voraussichtlich der Beschluss eines Nachtragshaushaltes notwendig. Sofern Aufwendungen oder Auszahlungen durch eine städtische Tochter-/Enkelgesellschaft zu tätigen sind, ist der Beschluss eines Nachtragswirtschaftsplan notwendig." (Ratsinformationssystem: URL. https://ris.osnabrueck.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1014121 zuletzt abgerufen 01.02.2020.

Der VfL spielt wieder in der 2. Liga. Toll. Als normaler Bürger, der kein Fan ist, habe ich nichts davon. Oder doch: an Heimspieltagen regelmäßig Stau in der Innenstadt und der Gartlage. Außerdem Lärm, Schmutz, Abgase. Nicht zu vergessen, die höheren Kosten durch Polizei und Rettungs- und Reinigungsdienste, die ja aus Steuergeldern stammen. Weder sehe ich ein wahrhaftiges öffentliches Interesse an einem Sponsoring des Profisports, noch ist die geplante Investition mit der Haushaltslage der Stadt Osnabrück vereinbar. Die notwendigen Kredite bergen eher die Gefahr, dass die Stadt für Jahre finanziell eingeschränkt sein könnte, geht das Experiment mit der Bundesliga schief (VfL Osnabrück: Nach einer herben 2:6-Niederlage gegen den SV Wehen steckt der VfL nun mitten im Abstiegskampf!, Hasepost, 6. März 2020, zuletzt abgerufen, 07.03.2020)- es wäre ja nicht das erste Mal ...

Die vorgeschobene Begründung der "Jugendsportförderung" ist meiner Meinung nach auch eine Farce: Erstens taugt der Profilsport schon lange nicht mehr als Vorbildfunktion - siehe Dopingskandale, Korruption in den höchsten Verbandsebenen, 9-stellige Transfersummen, immer neue Rekordgehälter, etc. Zweitens wären die Millionen, seien es 5 oder 10, im Bereich des Schulsports und Breitensports, sowie sozialer Einrichtungen für Jugendliche und Kinder weitaus sinnvoller investiert, wenn man auf marode Sporthallen an Schulen guckt oder die Finanz- und Personalnot von Jugendhilfeeinrichtungen, in den Blick nimmt. Steuermittel sollten in den Breiten-, Amateur- und den Jugendsport investiert werden und nicht noch die Kommerzialisierung und Privatisierung des Sports subventionieren.

Auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind für mich, schon angesichts der eigenen Klimaziele der Stadt, nicht akzeptabel - sollte ausgerechnet ein Teil des Waldes an der Halle Gartlage / KME, dem Vorhaben zum Opfer fallen, obwohl viele ungenutzete Brachflächen auf ehemaligen Kasernengeländen, am Limberg, am Hafen etc. zur Verfügung stehen. Das Waldgebiet in der Gartlage ist ein wichtiger Klimafaktor für das Stadtgebiet. Die Nähe zum jetzigen VfL-Stadion - schön ein kleiner Vorteil. Aber angesichts der Bedeutung des alten Waldes für das Klima in der Innenstadt und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, ganz abgesehen von der bedrohten Flora und Fauna, sollte über den Standort noch einmal dringend nachgedacht werden, zumal sich die Flächen in der Gartlage noch nicht im Besitz der Stadt befinden.